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Genussreise Lyon:
Hauptstadt der französischen Küche

Paul Bocuse, Les Halles und die Bouchons — eine Reise in die kulinarische Hauptstadt Frankreichs, wo jede Mahlzeit ein Bekenntnis ist.

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Genussreise Lyon: Hauptstadt der französischen Küche

Lyon nennt sich selbst die Hauptstadt der Gastronomie — und hat damit recht. Nirgendwo in Frankreich ist die Dichte an herausragenden Restaurants so hoch, nirgendwo die kulinarische Tradition so lebendig, nirgendwo das Verhältnis von Qualität und Preis so günstig.

Die Stadt zwischen Rhône und Saône lebt für das Essen. In den Bouchons — den typischen Lyoner Wirtshäusern — servieren Patronnes Quenelles de brochet, Salade Lyonnaise und Cervelle de canut mit einer Selbstverständlichkeit, die man in Sternerestaurants vergeblich sucht. Es ist Küche ohne Pose, ohne Anspruch auf Kunst — aber mit einem Handwerk, das Generationen überdauert. Wer einmal in einem echten Bouchon gesessen hat — eng, laut, mit karierten Tischdecken und einem Patron, der nicht fragt, was man trinken möchte, sondern einfach einschenkt —, versteht, warum Lyon anders isst als der Rest Frankreichs.

In Lyon isst man nicht, um satt zu werden. Man isst, um zu verstehen, wer man ist.

— Paul Bocuse (1926–2018)

Paul Bocuse und das Erbe der Grande Cuisine.

Man kommt nicht nach Lyon, ohne an Paul Bocuse zu denken. Der Mann, der die Nouvelle Cuisine miterfand und drei Michelin-Sterne über fünfzig Jahre lang hielt, hat die Stadt geprägt wie kein zweiter. Seine Markthallen — die Halles de Lyon Paul Bocuse — sind kein Touristenmarkt, sondern ein Tempel der Qualität. Hier kaufen Lyoner Hausfrauen ihren Comté, ihren Beaujolais, ihre Cervelas. Hier findet man Saucisson, der so gut ist, dass man versteht, warum die Franzosen ihr Charcuterie-Handwerk zum immateriellen Kulturerbe erklären ließen.

Unsere Genussreise führt von den Markthallen über die Presqu'île — die Halbinsel zwischen Rhône und Saône, wo sich Bistros und Weinbars aneinanderreihen — bis in die Altstadt, das Vieux Lyon. Hier, in den Traboules, den geheimen Durchgängen zwischen den Renaissancehäusern, liegt das Café des Fédérations, ein Bouchon, der seit 1872 besteht und in dem die Zeit stehen geblieben ist. Die Speisekarte kennt vier Gänge, einen Hauswein und keine Diskussion. Man isst, was kommt. Und was kommt, ist hervorragend.

Drei Tage, die beweisen: Lyon ist nicht die Stadt, in der man am besten isst. Es ist die Stadt, in der Essen am meisten bedeutet. Für Gour-Med-Leser, die eine Reise planen, die kulinarisch und kulturell gleichermaßen bereichert, ist Lyon die ideale Destination — erreichbar in drei Stunden mit dem TGV ab Frankfurt, mit einem Hotelzimmer, das halb so viel kostet wie in Paris, und einem Essen, das doppelt so gut ist.

GM
Redaktion
Gour-Med Redaktion
Die Redaktion schreibt seit 1982 über Kulinarik, Lifestyle und Medizin für Ärztinnen und Ärzte.