Aus dem Magazin

Vitus Winkler:
Alpiner Gourmet-Meister

Der Salzburger Spitzenkoch vereint alpine Tradition mit internationaler Finesse — und zeigt, dass die Berge eine eigene Haute Cuisine haben.

Winkler Alpen Salzburg Gourmet
Vitus Winkler: Alpiner Gourmet-Meister

VITUS WINKLER UND DIE KUNST, HEIMAT ZU SCHMECKEN

Um das Besondere von Sterne-Koch Vitus Winkler zu schmecken, muss man zuerst seine Alpine Küche verstehen: ihre Stille, ihre Schroffheit, ihre Aromen. Sie erzählen von Nebel, von Licht und von Herkunft.

Der Morgen liegt wie ein Atemzug über den Gipfeln: Frühtau glitzert auf Gräsern und Felsen und der Nebel zieht wie ein Schleier langsam durchs Tal, verschluckt Pfade und enthüllt nur schemenhaft Bäume und Steine. Aus der Stille wächst eine kühle Klarheit. Die Luft schmeckt nach Harz, nassem Moos und Erde. Jeder Schritt hinterlässt einen leisen Abdruck im Tau. Die Berge stehen schweigend da, ihre Konturen mal schroff, mal weich, als würden sie mit jedem Lichtstrahl neu gezeichnet. Vogelrufe und das ferne Klirren einer Kuhglocke künden vom neuen Tag. Hier verliert die Zeit ihre Eile. Wer diesen Augenblick atmet, spürt, wie die Welt sich ordnet: schlicht, streng und voller Möglichkeiten. Wenn sich die Weite der Salzburger Alpen in stiller Erhabenheit öffnet, tauchen wir ein in die Welt von Vitus Winkler. Es ist eine Welt aus Moos und Tannen, aus im Schatten wachsenden Kräutern und aus in der Erde wurzelnden Erinnerungen. Dort, wo andere nur Landschaft sehen, erkennt Winkler Geschichten: flüchtige Aromen, leise Farben, das Echo der Heimat. Bevor Vitus Winkler abends den Herd anschaltet, ist das Wesentliche längst getan. Die eigentliche Arbeit, die ihn erfüllt, hat er schon zuvor beendet. Mehrmals pro Woche streift er mit wachem Blick und feinem Gespür durch Wälder und über Almen.

Vitus Winkler sammelt Kräuter – nicht wahllos, sondern mit Hingabe und Wissen. Auch im eigenen Garten hat er ein großes Beet angelegt, ein lebendiges Archiv alpiner Aromen. Seit Jahren bestimmt er Wildpflanzen, studiert ihre gesundheitlichen Wirkungen, ihre geschmacklichen Nuancen und ihre Geschichten. Seine Küche ist keine Inszenierung, sondern eine Übersetzung dieser alpinen Wirklichkeit. Jeder Gang ist ein Naturerlebnis, ein Stück gelebte Bergpoesie, das die Gäste mit auf eine Reise durch Höhen und Tiefen, durch Nebel und Licht, durch die stille Kraft der alpinen Seele nimmt. Seine Gerichte erzählen von der Schroffheit der Felsen, der Zärtlichkeit des Waldes und der unerschütterlichen Verbindung zwischen Mensch und Natur. Sie sind wie die Berge selbst: klar, kompromisslos und berührend. Wer hier speist, schmeckt nicht nur Kräuter, sondern auch Weite, Herkunft und das stille Staunen über die Schönheit der Gerichte. Ihn fasziniert dabei die Vielfalt und das alte Wissen, das zu verschwinden droht und das er bewahren möchte. Für viele sind Koriander oder Löwenzahn der Gipfel der Exotik – Winklers grüne Welt ist eine andere. Sie kreist um Augentrost, Hirtentäschelkraut und Gundelrebe. Um Pflanzen, die Namen tragen wie Gedichte und Wirkungen wie Medizin. Winkler kennt ihre Standorte, ihre Stimmungen, ihre Geschichten. Er weiß, wann ein Blatt bitter wird, wann ein Stängel duftet, wann die Erde bereit ist, loszulassen. Seine Küche beginnt nicht in der Pfanne, sondern im Tau auf den Blättern, im Duft der Erde und im stillen Staunen über die Natur. Sie ist nicht nur kreativ, sondern auch kontemplativ. Sie ist ein kulinarisches Echo der Landschaft und nimmt die Gäste mit auf eine Reise durch Nebel und Licht, durch die stille Kraft der alpinen Seele. Sie macht ihn zu einem der bemerkenswertesten und spannendsten Köche der avantgardistischen alpinen Küche. Denn was andere übersehen, wird bei ihm zum prägenden Element, zum Herzstück seiner Küche.

Vitus Winkler liebt es, die alpine Küche neu zu erfinden, aber auch althergebrachte Heimatrezepte zu perfektionieren. Er ist auch jemand, der die Sprache der Kräuter versteht. Diese erzählen von Kindheitstagen auf der Alm, von den Händen der Großmutter und vom Rhythmus der Jahreszeiten. Dabei spielt Tradition eine zentrale Rolle – nicht als starres Korsett, sondern als lebendiger Organismus. Winkler nimmt sie ernst, aber nicht wörtlich. Er interpretiert sie, spielt mit ihr und lässt sie atmen. Ein altes Rezept wird nicht konserviert, sondern verwandelt. Die Essenz bleibt, die Form wandelt sich. Hier wird nicht gekocht, um zu beeindrucken, sondern um zu berühren. So entstehen Gerichte wie „Waldlichtung“, „Almfrühstück“ oder „Gipfelsturm“ – poetische Kompositionen, die mit Texturen und Temperaturen, mit Erinnerungen und Überraschungen spielen. Ein Sud aus Fichtennadeln kann ebenso berühren wie ein fermentiertes Wiesenblütenöl. Für sein tägliches Überraschungsmenü mit bis zu 30 geheimnisvollen Alpenkräutern aus der Natur und aus dem eigenen Kräutergarten kommen die Gäste von weit her. Jeder Teller erzählt eine Geschichte und jeder Gang ist eine Wanderung durch die Höhenlagen der Seele. Und obwohl er mit zwei Michelin-Sternen und einem Grünen Stern für Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde, ist seine Küche frei von Prestigegehabe. Winkler strebt nicht nach Sternen, sondern nach Tiefe. Nach Wahrheit. Nach dem Moment, in dem ein Gast innehält und spürt: „Das ist mehr als Essen.” Das ist Heimat.

Die Familie ist dabei nicht nur Ursprung, sondern tägliche Begleiterin. Seine Frau Eva ist eine Gastgeberin mit Herz und seine Kinder wachsen inmitten von Kräutern und Geschichten auf. Das Hotel Sonnhof ist ein Zuhause, kein Betrieb. Hier wird gemeinsam gelebt, gelacht und gearbeitet. Die Gäste spüren diese Wärme und Echtheit. Sie kommen nicht nur zum Essen, sondern zum Eintauchen. Zum Verstehen. Zum Erinnern. Viele berichten von einem Gefühl der Rückkehr – nicht an einen Ort, sondern zu sich selbst. Die Berge sind dabei nicht nur Kulisse, sondern Quelle. Sie geben Kraft, Form und Geschmack. Sie sind Lehrmeister und Vorratskammer, Gedächtnis und Inspiration. „Ich koche nicht, um zu beeindrucken. Ich koche, um zu berühren“, sagt Winkler – und man glaubt ihm sofort. Denn seine Gerichte sind keine Inszenierungen, sondern Ausdruck einer Landschaft, einer Biografie, einer Haltung. Sie sind durchdrungen von Respekt – vor dem Produkt, vor dem Gast, vor der Natur. In einer Welt, die sich oft im Oberflächlichen verliert, bietet Winkler einen Raum der Konzentration, der Stille und der Bedeutung. Der vielfach ausgezeichnete Koch ist weit über die Grenzen hinaus für seine Küche bekannt, in der er Alpine Küche auf höchstem Niveau zelebriert. Die Speisen, eine perfekte Symbiose aus traditionellen Elementen und innovativer Kochkunst, spiegeln Vitus Winklers Leidenschaft und Respekt für die Natur, Zutaten aus der Region und die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten wider. Er verwandelt jedes Gericht in ein unvergessliches Erlebnis und hebt die Region und das SalzburgerLand auf eine kulinarische Bühne, die weit über die Grenzen hinaus strahlt.

Wer bei ihm speist, verlässt das Restaurant nicht nur satt, sondern auch verändert. Mit einem neuen Blick auf das, was wächst. Mit einer neuen Wertschätzung für das, was war. Und mit einer Ahnung davon, was Heimat wirklich bedeuten kann. Denn für Winkler ist Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl. Es ist das Knistern des Holzofens, das Rascheln der Blätter, das Lachen der Kinder und der Duft von frischem Brot. Diese Erinnerungen fließen in seine Gerichte ein, sie sind Teil der Komposition und der Seele. So wird aus einem Essen ein Erlebnis, aus einem Teller ein Gedicht und aus einem Abend ein Stück gelebte Heimat. „Die Berge sind meine Vorratskammer, mein Gedächtnis und mein Zuhause“, sagt er. Und man versteht: Diese Küche ist nicht reproduzierbar. Sie ist einzigartig, weil sie aus einem einzigartigen Leben stammt. Aus einem Ort, aus einer Familie, aus einer Geschichte. Im Gourmetrestaurant Kräuterreich wird der Teller zum Spiegel der Landschaft. Die Farben, die Formen, die Düfte – alles erzählt von der Umgebung. Von der Stille des Waldes, vom Wind über den Wiesen und vom Rhythmus der Jahreszeiten. Winkler kocht nicht gegen, sondern mit der Natur. Er hört ihr zu, folgt ihr und vertraut ihr. Diese Haltung spüren auch die Gäste. Sie erleben nicht nur Geschmack, sondern auch Bedeutung. Nicht nur Genuss, sondern auch Verbindung. Seine Küche ist ein Manifest der Achtsamkeit, ein Plädoyer für das Einfache, das Echte, das Tiefe. Sie ist eine Einladung, die Welt wieder mit allen Sinnen zu erleben und sich selbst darin zu erkennen.

TIPP DER REDAKTION: Vitus Winkler hebt seine Heimat auf eine kulinarische Bühne. Entdecken Sie seine Produkte – vom Wiesenkräutersalz bis zum Brombeer-Senf – hier im Online-Shop von THE GOLDEN CIRCLE.

GM
Redaktion
Gour-Med Redaktion
Die Redaktion schreibt seit 1982 über Kulinarik, Lifestyle und Medizin für Ärztinnen und Ärzte.