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Neue S2k-Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19 Patienten veröffentlicht

durch petyadesign

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Seit dem 24.Nov. ist eine neue S2k-Leitlinie öffentlich, die Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 umfasst. Sie erweitert die bereits seit März 2020 vorliegende intensivmedizinische S1-Leitlinie um den gesamtstationären Bereich und gibt damit Krankenhausärzten erstmals eine ganzheitliche und fächerübergreifende Handlungsanweisung an die Hand. Federführend waren drei Fachgesellschaften an der Erstellung beteiligt – die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Elf weitere Fachgesellschaften haben an der Erstellung der Leitlinie mitgewirkt.

Die zunehmende Anzahl an SARS-CoV-2 Infektionen führt auch zu einem schnellen und relevanten Anstieg der stationären Patienten mit COVID-19. Ein strukturiertes, sicheres und ressourcenschonendes Management dieser Patienten im Krankenhaus ist daher unerlässlich. „Mit der neuen S2k-Leitlinie ist es uns erstmals gelungen, alle Therapieempfehlungen für die stationäre Behandlung von COVID-19-Patienten zusammenzufassen“, erläutert Professor Dr. med. Stefan Kluge (Foto), Koordinator der Leitlinie. „Somit können wir die Therapie endlich ganzheitlich und fächerübergreifend betrachten, da alle beteiligten Fachgruppen in die Erstellung einbezogen waren“, so Kluge, der auch Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist. Die Leitlinie umfasst Empfehlungen über den gesamten Verlauf der stationären Behandlung – von der Aufnahme und Diagnostik über die Therapie bis hin zum weiteren Krankheitsverlauf. Zusätzlich wurden viele andere Aspekte wie Besonderheiten bei pädiatrischen Patienten, ethische und palliativmedizinische Aspekte berücksichtigt.

Die Leitlinie definiert, wann eine stationäre und wann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich ist. „Bei Patienten mit ausgeprägter Atemnot, erhöhter Atemfrequenz und Abfall der Sauerstoffsättigung ist eine Verlegung auf die Intensivstation angezeigt. Die Leitlinie gibt dem Klinikpersonal bereits für diese Phase Empfehlungen an die Hand“, sagt Professor Dr. med. Christian Karagiannidis, Präsident der DGIIN und geschäftsführender Oberarzt sowie Leiter des ECMO-Zentrums an der Lungenklinik Köln-Merheim.

Im Verlauf der COVID-19-Erkrankung kann es zu einer hypoxämischen respiratorischen Insuffizienz, also Problemen beim Gasaustausch in der Lunge, kommen. „Das Hauptziel der unterstützenden Therapie besteht darin, eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu sichern, wofür uns verschiedene Methoden, wie Sauerstofftherapie oder eine Masken-Beatmung unterstützend zur Verfügung stehen“, erläutert Professor Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der DGP. Die Leitlinie hält fest, wann welche Form der Atemunterstützung, wann eine Intubation und mechanische Beatmung zum Einsatz kommen. „Die invasive Beatmung und wiederholte Bauchlagerung sind dabei wichtige Elemente in der Behandlung schwerst erkrankter COVID-19-Patienten“, so Pfeifer, Universität Regensburg, Chefarzt an der Klinik Donaustauf und Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg.

Foto:DIVI

Hier finden Sie die Leitlinie: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html

 

Pathologinnen und Pathologen gewinnen neue Einblicke in die Immuntherapie bei Lymphdrüsenkrebs

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Medikamente, die das Immunsystem gegen Tumorzellen aktivieren, werden auch erfolgreich bei Lymphdrüsenkrebs eingesetzt. Eine Arbeitsgruppe unter der Führung von Dr. Wolfram Klapper, Leiter der Sektion Hämatopathologie des Instituts für Pathologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, und Professor an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, konnte nun jedoch zeigen, dass die Therapie bei dieser Krebserkrankung aus einem anderen Grund wirkt, als zunächst angenommen wurde.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Sektion für hämatologische Spezialdiagnostik der Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie des UKSH, Campus Kiel, und dem Universitätsklinikum Köln durchgeführt und von der Deutschen Krebshilfe finanziert. Die Studienergebnisse wurden in dem hochrangigen Fachjournal „Blood“ publiziert, das die Arbeit als bemerkenswerten Beitrag zum Verständnis der Erkrankung einordnet.

Das Hodgkin-Lymphom ist ein Lymphdrüsenkrebs mit einem einzigartigen Merkmal: Innerhalb der krankhaft vergrößerten Lymphknoten machen die bösartigen Zellen in der Regel weniger als fünf Prozent aller Zellen aus; die Mehrheit stellen die gesunden Zellen des Immunsystems. Warum die Immunzellen zwar massenhaft den Weg in die Lymphknoten finden, es ihnen aber nicht gelingt, die bösartigen Zellen zu eliminieren, ist nicht vollständig geklärt. Ein Grund könnte ein Molekül auf den bösartigen Zellen sein, von dem man annimmt, dass es die angreifenden Immunzellen hemmt. In den vergangenen Jahren wurden Medikamente, sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren, entwickelt, die diese Hemmung aufheben und die körpereigene Abwehr aktivieren. Sie werden bereits erfolgreich gegen schwarzen Hautkrebs, Lungen-, Nieren- und Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt.

Die Arbeitsgruppe untersuchte nun Gewebeproben aus den Lymphknoten von Patientinnen und Patienten, die mit den Medikamenten behandelt wurden. „Wir wollten den Immunzellen bei der Arbeit zusehen“, sagt Prof. Klapper. Das Ergebnis war überraschend: „Wir konnten unter der Therapie mit dem Medikament Nivolumab keine Aktivierung des Immunsystems nachweisen.“ Trotzdem verschwanden die bösartigen Zellen rasch, die Lymphknoten verkleinerten sich. „Wir gehen davon aus, dass durch die Therapie den bösartigen Zellen ein Überlebenssignal entzogen wird, das sie von den Immunzellen erhalten“, erklärt Dr. Sarah Reinke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sektion für Hämatopathologie und Erstautorin der Studie, die neu entdeckte Wirkungsweise. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Menge der Immunzellen in den Lymphknoten nicht Ausdruck eines Angriffs sind, der von den bösartigen Zellen gestoppt wurde. Sondern dass die Tumorzellen die Immunzellen aktiv angelockt haben, um eine noch unbekannte Art von Unterstützung zu erhalten – die nun durch die Therapie unterbrochen wurde. Das neue Verständnis der Wirkungsweise trägt dazu bei, die Therapie effektiver einzusetzen und so womöglich Nebenwirkungen zu reduzieren, so Prof. Klapper.

Die Sektion Hämatopathologie ist das in Norddeutschland einzige Referenzzentrum des bundesweiten Kompetenznetzwerks Maligne Lymphome. Seit Jahrzehnten werden hier Lymphknoten-Gewebeproben von Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland bewertet und archiviert – in einer Biobank, die in den 1960er Jahren als erste spezialisierte Biobank in Deutschland gegründet wurde.

Die im Fachjournal „Blood“ veröffentlichte Originalarbeit trägt den Titel „Tumor and microenvironment response but no cytotoxic T-cell activation in classic Hodgkin lymphoma treated with anti-PD1“.

https://doi.org/10.1182/blood.2020008553

 

 

Wissenschaftler analysierten in einem systematischen Review die Daten von etwa 69 000 Patienten, die aufgrund von COVID-19 auf der Intensivstation lagen. Die Mortalität war hoch, besonders bei Patienten, die mechanisch beatmet wurden.

COVID-19 kann ganz unterschiedlich verlaufen. Während einige nur milde oder gar keine Symptome zeigen, ist bei anderen der Krankheitsverlauf so schwer, dass eine Krankenhauseinweisung notwendig ist. Einige Patienten müssen sogar auf die Intensivstation verlegt werden. Genau für diese Patienten interessierte sich ein internationales Forscherteam genauer. Sie verfassten einen systematischen Review, um einen Überblick über die derzeitige Datenlage zu dieser Patientengruppe zu bekommen.

Wissenschaftler analysierten die Daten von etwa 69 000 COVID-19-Patienten auf Intensivstation

Die Wissenschaftler durchsuchten systematisch verschiedene Datenbanken nach geeigneten Studien, die bis zum 15. August 2020 veröffentlicht wurden und von dem Krankheitsverlauf von Patienten, die aufgrund von COVID-19 auf die Intensivstation kamen, berichteten. Sie fanden 32 Studien, die Daten von 69 093 COVID-19-Patienten auf Intensivstation beinhalteten.

Hohe Mortalität bei Patienten mit mechanischer Beatmung

Bei der Analyse der Daten fiel den Wissenschaftlern auf, dass die meisten Patienten in den Studien männlich waren (59 %; 26 Studien). Die Patienten waren durchschnittlich 56 Jahre alt. Generell war die Sterberate der COVID-19-Patienten auf der Intensivstation hoch (32,3 %; 15 Studien). Die Patienten verbrachten im Median 9,0 Tage auf der Intensivstation (5 Studien). Mehr als die Hälfte der Patienten, die auf die Intensivstation kamen, mussten mechanisch beatmet werden (58 %; 23 Studien) – für 8,4 Tage (Median). Bei diesen Patienten lag die Mortalität mit 59 % besonders hoch (6 Studien). Die Interventionen, von denen am häufigsten berichtet wurden, waren nicht-invasive Beatmung, extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO), Nierenersatztherapie und Vasopressoren.

Patienten, die aufgrund von COVID-19 auf die Intensivstation kamen, blieben dort im Median 9 Tage. Viele Patienten verstarben. Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen noch einmal, wie wichtig es ist, empfohlene Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um so Infektionen zu verhindern.

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