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Südtirol

Cantina Terlan

durch Klaus Lenser

Albin Thöni

Das Weindorf Terlan liegt zwischen Bozen und Meran an der Südtiroler Weinstraße im Herzen des nördlichsten Anbaugebietes von Italien. Das Dorf schart sich um die markante Kirche, die mit den auffälligen Rautenmustern auf dem bunten Dach und dem schlanken Kirchturm aus rotem Porphyr von gewachsener Tradition zeugt. Hoch über Terlan thronen die mittelalterlichen Ruinen „Maultasch“, eine wichtige Stätte für die Tiroler Geschichte und die Burgruine Greifenstein, bekannt wegen der „Sauschlosslegende“. Die Wurzeln des Weinbaus in Terlan reichen bis in die späte Eisenzeit und speziell in die Zeit der Räter zurück. Berühmte Rebmesser, Bronzeblechgefäße und Traubenkerne legen dafür Zeugnis ab. Südtirol ist das älteste Weinbaugebiet im heute deutschsprachigen Raum. Im Mittelalter haben etliche Klöster nördlich der Alpen nicht nur den Messwein aus Südtirol, dem damaligen Deutsch-Tyrol, bezogen.

Die Cantina Terlan wurde von 24 Weinbauern im Jahre 1893 gegründet und zählt damit zu einer der ersten in Südtirol. Mit dem rigorosen Fokus auf Qualität ist die Kellereigenossenschaft ein exzellenter Botschafter der Südtiroler Weinkultur und ihrer Top-Weine. Die Cantina Terlan verfügt derzeit über 190 ha Rebfläche, die von 150 Weinbauernfamilien bewirtschaftet wird. Gerade diese Kleinparzellierung der Weinberge erlaubt mit der ausschließlichen Handarbeit, der naturnahen, nachhaltigen und ertragsreduzierten Bewirtschaftung und dem bewussten Verzicht auf Herbizide die zielgerichtete Hege und Pflege der Rebstöcke und ist Garant dafür, dass das Lagenpotenzial sich bestmöglich in den Weinen äußert.

Blick in den Weinkeller der Cantina Terlan
Blick in den Weinkeller der Cantina Terlan

Seit Anbeginn ist Terlan als Weißweingebiet bekannt, denn außergewöhnliche Bodenbedingungen vulkanischen Ursprungs und ein spezielles Mikroklima beeinflussen das Terroir der Weinberge, die sich mit Hangneigungen bis zu 70 Prozent wie kleine Sonnenterrassen eingenistet haben. Die Hügel- und Berglagen prägen die Landschaft von der Talsohle über 250 m bis hinauf auf den Tschögglberg mit seinem Wanderparadies auf dem Hochplateau über 900 Metern. Die Weinberge liegen auf einer auffallend rot gefärbten Porphyrunterlage. Es handelt sich dabei um ein vulkanisches Gestein mit großen Mineraleinlagerungen, geologisch Quarzporphyr genannt. Die lebendige oberste Schicht ist sandig, locker und entsprechend wasserdurchlässig sowie leicht erwärmbar mit einem geringen Anteil an Schluff. Die pH-Werte der Terlaner Böden liegen im leicht sauren Bereich. Ihr hoher Mineralgehalt verleiht den Weinen eine besondere mineralische Note und ist mitverantwortlich für ihre außergewöhnliche Langlebigkeit. Das große Potenzial des Terlaner Terroirs gepaart mit dem Mut, gerade Weißweinen Zeit zu geben, ist ein wichtiger Faktor der gelebten Terlaner Weinphilosophie: „Wir lassen Weine reifen“. In Terlan bekommt jeder Wein die Zeit, die er braucht, um zu absoluter Vollendung zu reifen. Auch jahrzehntelang.

terlan blick von oben
Terlan - ein Blick von oben

Die Quintessenz der Langlebigkeit stellen dabei die Rarity-Weine dar. Dafür werden herausragende Jahrgänge nach der Stocker Methode ausgebaut. Das bedeutet, dass die Weine von mindestens 10 Jahren bis zu Jahrzehnten auf der Feinhefe im legendären Terlaner Raritäten-Keller reifen. Als Rarity-Weine kommen ausschließlich Weine der Rebsorten Weißburgunder, Sauvignon blanc, Chardonnay oder die klassische Terlaner Cuvée in Frage. Die Rarity nimmt damit eine einzigartige Position im internationalen Vergleich großer Weißweine ein. Mit rund 3.000 Flaschen ist die Verfügbarkeit streng limitiert. Die Terlaner Weißweine sorgen seit vielen Jahren in der internationalen Weinfachwelt für Schlagzeilen und begeistern nicht nur das Fachpublikum, sondern auch Weinliebhaber und Genießer aus aller Welt.

Das Weinarchiv
Das Weinarchiv

Interview mit

Rudi Kofler, Chefönologe und

Klaus Gasser,  Direktor für Vertrieb und Marketing

der Cantina Terlan.

 

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Marketing-Direktor Klaus Gasser und Chefönologe Rudi Kofler (v. l.)

Was bedeutet für Sie als Kellermeister die Harmonie im Weinberg und im Keller?

Rudi Kofler: „Unter Harmonie im Weinberg verstehe ich das Gleichgewicht zwischen den Rebstöcken und dem Boden in Bezug auf Wuchskraft und Stockertrag. Idealerweise gelingt es dem Winzer, über die Pflegemaßnahmen den gewünschten Zielertrag auf natürliche Art und Weise zu erhalten. Eine lebendige Bodenstruktur und gleichzeitig eine naturnahe Pflege des Weinbergs tragen zu einem besseren Gleichgewicht bei.“

 

Warum ist Terlan ein Paradebeispiel für Geduld und das Streben nach Perfektion?

Was zeichnet die Cantina Terlan aus?

Rudi Kofler: „Eine wichtige Rolle spielt die von Natur aus beneidenswerte Ausgangslage, sodass die Langlebigkeit ein
Stück weit naturgegeben ist. Geologische Studien haben gezeigt, dass in Terlan vor allem die Tonminerale besonders ausgeprägt sind. Dieser hohe Mineralgehalt und die Kargheit der vulkanisch geprägten, sandigen Böden bringen gewisse Eigenheiten mit sich: Die Rebe durchlebt immer wieder Mikrostress und erhält weniger Nährstoffe, was ihr Wachstum einschränkt. Die Bodenpflege bekommt höchste Priorität. Bewässert wird nur im äußersten Notfall. Zudem liegen die pH-Werte leicht im sauren Bereich. Dieses Zusammenspiel der Komponenten führt in Terlan seit jeher zu niedrigen Erträgen. Was früher nicht so positiv gesehen wurde, ist heute die Grundlage für Qualität in Terlan. Im Keller führen wir die Sorgfalt, die wir im Weinberg fordern, konsequent weiter und bauen im großen Holzfass ebenso aus wie „sur lie“. So liegen die großen Weißweine jahrelang im Gebinde auf der Feinhefe, bevor sie sich – ohne Eile – in der Flasche zur Vollendung entwickeln dürfen. Durch diese langsame Reife gewinnen die Weine an Charakter und Komplexität.“

 

Welches ist das Leitmotiv für Ihr Tun,  Ihre ganz persönliche Vision als Chefönologe der Cantina Terlan? 

Rudi Kofler: „Qualität lebt durch Leidenschaft“ ist mein Leitmotiv. Weiterhin große Weine für Terlan zu machen sehe ich als meine persönliche Vision. Es gilt konsequent an Details zu feilen, um somit noch an Präzision dazuzugewinnen.“

 

Welchen Luxus leistet sich die Cantina Terlan? Welche Voraussetzungen müssen dafür
gegeben sein?

Klaus Gasser: „Zeit zu haben, sich Zeit zu nehmen und den Dingen Zeit zu geben, ist vielleicht der größte Luxus von allen. Und diesen leisten wir uns in Terlan. Zeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Cantina Terlan. Wir nehmen uns Zeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, Zeit zum Pflegen der alten Rebstöcke, Zeit für jede einzelne Traube, um optimale Bedingungen für die perfekte Reife zu bieten. Zeit, um den Wein im Keller zur Vollendung reifen zu lassen und natürlich Zeit, ihn zu genießen.“

 

Aufgrund welcher Tatsachen wird die Cantina Terlan als DER leuchtende Stern am Weißwein-Firmament von Italien bezeichnet?

Klaus Gasser: „Der Ausbau langlebiger Weine hat in der Cantina Terlan Tradition und lässt sich bis um 1900 zurückverfolgen. Zeugnis davon gibt das mit über 100.000 Flaschen bestückte Weinarchiv, das Jahrgänge von 1955 bis heute birgt. Einzelne Flaschen reichen bis ins Gründungsjahr 1893 zurück. Was als Experiment des Alt Kellermeisters Sebastian Stocker begann, der heimlich von jedem Jahrgang 500 Flaschen versteckte, um zu sehen, ob sich seine Theorie von der Langlebigkeit der Terlaner Weine bewahrheiten würde, ist heute Terlans bestgehüteter Schatz. Die manchmal mehr als 50 Jahre alten Weißweine von atemberaubender Frische, feiner Säure und absolut fehlerfreiem Aroma erstaunen die Fachwelt und sind bei den Sommeliers der exklusivsten Restaurants heiß begehrt.“

„Vielen Dank für das Interview.“

Marcel Tekaat

Liebe Weinfreunde,

Südtirol lässt uns nicht los und das ist auch gut so ;-).

Ich freue mich sehr, in dieser so fantastischen Region bleiben zu dürfen und es wieder einmal mit einem der „Big-Player“ zu tun zu haben. Die Cantina Terlan in Terlan ist eine meiner Favoriten. Schon zu Beginn meiner Restaurantlaufbahn habe ich diese Weine kennen und lieben gelernt. Ausdrucksstark, Terroir geprägt und handwerklich auf höchstem Niveau begeistern diese Weine auch regelmäßig das Fachpublikum. Im Restaurant unheimlich variabel und vielseitig einsetzbar, gut zu kalkulieren und mit herausragenden Qualitäten bereichern die Tropfen viele Weinkarten.

Verkosten werden wir heute die Cuvée Terlan,  den Sauvignon blanc Quarz, den  Pinot blanc Vorberg und den Lagrein Porphyr.

Marcel Tekaat

Marcel Tekaat
Sommelier (IHK)

Leiter des Hofhotels Grothues-Potthoff Senden/Westf. (www.hof-grothues-potthoff.de ) wurde auf der ProWein 2018 mit dem Titel „Ausgezeichnete Weingastronomie“ prämiert

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2022 Terlaner, Cuvée, DOC

Diese Cuvée aus Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc erstrahlt schon frisch und animierend im Glas. Durch eine langsame Gärung und Lagerung auf der Feinhefe wirkt der Wein wunderbar ausbalanciert. Strohgelb in der Farbe und im ersten Geruch vordergründiger Apfel und Pfirsich machen mich neugierig. Am Gaumen beherrscht der Pfirsich die Geschmacksknospen und eine schöne Frische macht sich breit. Durch ein ausbalanciertes Säurespiel, gut eingebundenen Alkohol und eine schöne ausdrucksstarke Länge wird dieser Wein zu einem tollen Speisenbegleiter. Spargel ist mein erster Gedanke, aber auch italienischer Hartkäse, Sauerkraut und heimische Wurst harmonisieren mit dieser Cuvée. Ein Allrounder und eine schöne Bereicherung jeder Weinkarte.

2020 Vorberg, Pinot Bianco, DOC, trocken

Pinot blanc, wie ich immer sage, der „elegante und facettenreiche“ Bruder des Grauburgunders. Und hier bewahrheitet es sich wirklich. Per Hand gelesen, im großen Holz und mit biologischem Säureabbau versehen, macht dieser herrliche Burgunder seinem Namen alle Ehre. Glänzend im Glas mit grünlichen Reflexen strahlt er uns an. In der Nase treten reife Aromen von Obst. Apfel, Quitte und Ananas hervor. Am Gaumen unheimlich aromatisch und ausdrucksstark. Ein schöner Schmelz, Druck und Eleganz. Ein wirklich toller Pinot blanc. Ein Wein, der zu Meeresfrüchten, gegrilltem Fisch oder gar zu einer Pasta schmeckt.

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Quarz, Sauvignon blanc, DOC

Und wieder per Hand gelesen, langsame Gärung und Lagerung (neun Monate) auf der Feinhefe machen schon deutlich, was wir hier vermuten können. Ein strahlendes Gelbgrün mit tollen Reflexen im Glas animieren zum Probieren. In der Nase exotische Früchte, Mango und Papaya, aber auch rebsortentypische kräutrige Aromen. Hier ein Hauch von Stachelbeere und grünem Tee. Am Gaumen ist der Wein wirklich druckvoll, mineralisch und unheimlich saftig. Ein tolles Säurespiel, belebend und zeitgleich animierend. Der Sauvignon blanc wirkt ausbalanciert, druckvoll und harmonisch. Ein Wein zum Genießen zu gebratenen Fischgerichten oder gerne auch Ziegenfrischkäse. Eine für mich unausweichliche Kombination wäre aber unser Spargel. Gebraten oder klassisch mit leichter Nussbutter.

2020 Porphyr Lagrein, DOC, trocken

Porphyr Lagrein, ein bekannter, wohlklingender Name unter uns Sommeliers Aus Anlagen, in welchen die Rebstöcke ca. 100 Jahre alt sind, kommt dieser extraktreiche, ausdrucksstarke Wein. Ausschließlich Handarbeit bei der Lese und dem Sortieren machen bereits deutlich, was an diesem Wein gelegen ist. Maischegärung, biologischer Säureabbau und 18 Monate im Barrique tun ihr Weiteres hinzu. Ein sattes Rubinrot im Glas, violette Reflexe am Rand und betörender Geruch lassen das Wasser im Mund zusammen laufen. Lakritz, Kaffee, Vanille machen sich in der Nase breit. Am Gaumen saftig, harmonisch und kompakt. Ein sehr konzentrierter Wein mit einer pfeffrigen Note und feinen Tanninen. Ein wunderbarer Begleiter zu Wildgerichten und Geschmortem.

 

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Eine gelungene Verkostung mit Weinen aus einer meiner Lieblingsregionen.
In diesem Sinne viel Gesundheit und allzeit einen guten Tropfen im Glas!
Ihr Marcel Tekaat

Fotos: Cantina Terlan

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