Home Neues aus der Genusswelt „do wechst der Tramyner!“ „A good body and a fine flavour“

„do wechst der Tramyner!“ „A good body and a fine flavour“

durch Klaus Lenser

Über die Weinfässer der Räter, die schönsten Kellnerinnen und die vorzüglichen Lagreintrauben

Ein kurzer historischer Abriss über das Weinland Südtirol

Albin Thöni

Südtirol ist ein Weinland mit einer weit über zweitausend Jahre alten Tradition – es ist das älteste Weinbaugebiet im heute deutschsprachigen Raum. Schon das Volk der Räter lagerte hier den Wein in Holzfässern ab. Als die römischen Legionen um 15 vor Christus auf ihrem Alpenfeldzug entlang der Etsch in Richtung Reschenpass vorrückten, fanden sie bereits gut ausgebaute Weingärten vor. Es waren angeblich die Illyrer, ein Volk vom nordwestlichen Balkan, die um 1.000 vor Christus die Rebe über den Balkan ins Etschtal gebracht hatten. Die Räter kultivierten den Weinbau dann weiter, ebenso das Einkeltern und die Weinbereitung, indem sie etwa die Pergel als Erziehungssystem (hölzerne Unterstützung für den Rebstock und die Reben) und Holzfässer für die Weinlagerung benutzten.

Als mit der „Via Claudia Augusta“ die erste Alpenverbindung von der Poebene entlang der Etsch über Bozen bis zum Reschenpass und über Reute und den Fernpass an die Donau, in den süddeutschen Raum, entstand, brachten zudem Reisende neues Wein-Wissen mit ins Land. Schon damals war der Wein aus dieser Gegend berühmt. Die „noblen Kreise in Rom“, insbesondere auch Kaiser Augustus, haben zufolge dem Geschichtsschreiber Marcus P. Cato, d. Ältere, um 200 vor Christus; Strabon, griechisch-römischer Geograph, 63 vor Christus; Vergil, Dichter und Epiker, geb. 70 v. Chr. in Mantua und Plinius, 77 n. Chr., die Meinung vertreten, dass der Wein aus der Provinz Rätien besonders köstlich sei. Vor allem Marcus P. Cato lobt in seinen Schriften diese Weine aus Rätien: „… et maxime delecatus est Raetico“.

Und Vergil, der Klassiker aus der lateinischen Schullektüre, befasst sich in seinem landwirtschaftlichen Lehrgedicht „Georgia: Über den Landbau“ intensiv mit der Pflege der Reben und dem geeigneten Standort für diese (In Georgica 2, 89 – 96). Auch zählt er 14 Rebsorten meist griechischen Ursprungs auf, darunter den berühmten Falerner und den Raeticum. Es muss demgemäß bereits vor 2.000 Jahren in Rätien, dem Land entlang der Etsch, das ideale „Terroir“ für exzellente Weine vorhanden gewesen sein.

Der St. Madgalenerhügel mit den berühmten Vernatsch-Weinbergen über Bozen
Der St. Madgalenerhügel mit den berühmten Vernatsch-Weinbergen über Bozen

Die Weinberge und die Reben rund um den Bozner Talkessel galten seit jeher für die Reisenden aus dem Norden als symbolträchtige Vorboten des Südens. Die ersten Weinberge waren Zeichen dafür, dass man sich nun bald „dem Land, wo die Zitronen blühen“ näherte. Die Reisenden, egal ob vom Norden oder auch vom Süden kommend, zeigten sich allesamt von der Reblandschaft im damaligen Deutschtirol, dem heutigen Südtirol und Welschtirol, dem heutigen Trentino, stark beeindruckt.

So hat der Verleger, Kupferstecher und Chronist Matthäus Merian im Jahre 1649 festgestellt: „Der rote Wein, so allhie wächst, ist trefflich gut“. Francois M. Missons aus Paris hat im „Italien-Handbuch“ für Reisende 1691 Bozen als eine von Weinbergen umkränzte Stadt beschrieben: „Tout la vallée de Bolsane est remplí de vignobles …“.

Der Dichter, Weinexperte und Genießer J. W. von Goethe wiederum entdeckte auf seiner Reise nach Italien, dem Land seiner Sehnsucht, im Herbst 1786 bei Tagesanbruch in der Gegend von Brixen und dem Künstlerstädtchen Klausen, am Fuße des Säbener Berges, die ersten Rebhügel, und als er bei heiterem Sonnenschein Bozen erreichte, beschrieb er detailliert die landschaftsprägenden Pergeln an den Hängen rund um Bozen, von Leitach und am Schwemmkegel von Rentsch „… die mit Wein bebauten Hügel am Fuße der Berge. Über lange, mächtige Lauben sind die Stöcke gezogen, die blauen Trauben hängen gar zierlich von der Decke herunter und reifen an der Wärme des nahen Bodens“.

Dieser Weingegend von Deutsch-Tirol, zwischen Brixen und Bozen, widmete auch die Reichsgräfin und Dichterin Elisa von der Recke ihre Aufmerksamkeit. Als sie im Jahre 1804 in der Pferdekutsche durch Tirol reiste, bestaunte sie die Rebgärten am Säbener Berg, auf dessen Gipfel „… das prächtige Kloster thront. Im Zeitalter von Kutsche und Karrosse waren derart genaue Beobachtungen selbst im Vorbeifahren noch möglich.

Kloster Säben mit Rebhängen im Eisacktal
Kloster Säben mit Rebhängen im Eisacktal

Heinrich Heine hat in seinen „Reisebildern“ auf der Reise im August 1828 von München über Innsbruck und Brixen nach Genua in einem Gasthaus in Brixen Halt gemacht. Für Heine begann bereits in Deutsch-Tyrol Italien, wohl auch wegen der vielen Weinberge und Weinreben, die er bei der Kutschenfahrt durch das Eisacktal erblickte. Und wegen der Düfte von Zitronen und Orangen, die ihm südlich von Bozen entgegenströmten. In seinen Reisebeschreibungen kann man nachlesen, wie in einem Gasthaus in der Bischofsstadt Brixen „… ein geistlicher Herr die Kellnerin mit „Karessen“, mit „Schmeicheleien und Süßholzraspelei“ bedrängte, die das liebliche, bildschöne Mädchen nicht wenig anzuekeln schienen“. Fürwahr, vielen Reisenden fielen die feschen Tiroler Kellnerinnen auf, die auch die (sprachliche) Grenze zu Italien markierten, denn im ehemaligen Welschtirol, dem heutigen Trentino, waren damals nur Männer als Kellner tätig. Diesen Umstand hat die Malerin Marianne Kraus als Begleiterin der Gräfin Charlotte Erbach im Jahre 1791 humorvoll zusammengefasst: „Welche Nachricht für alle Reisenden sich der Mühe wert hält, ist, dass es in ganz Tirol die schönsten Kellnerinnen gibt […]. Wenn ich eine Reise mit meinem Manne machte, so würd ich Tirol überhüpfen.“

Als Wilhelm der Tapfere von Meißen auf der Pilgerreise 1461 ins Heilige Land am berühmten Dorf im Südtiroler Unterland vorbeiritt, vermerkte er in seinem Tagebuch: „do wechst der Tramyner!“

Der Schriftsteller und Alpinist Adolph Schaubach hat im Jahre 1847 die „dunkelrothe Lagreintraube“ als die „vorzüglichste Traubengattung“ der Bozner Umgebung gepriesen. Auch Terlan verdanke seine Berühmtheit seinem Weine. Der rothe, wie der weiße, ist vom Anfang an süß und hat ein äußerst liebliches Aroma. Er gehört unstreitig zu den besten Tyroler Weinen.

In Südtirol finden heute Dank der einzigartigen Symbiose von fruchtbarem Boden und dem alpin-mediterranen Klima über 20 heimische und internationale Rebsorten ideale Bedingungen vor, und lassen Dank exzellenter Kellermeister hochwertige Weiß-und Rotweine mit typisch Südtiroler Charakter heranreifen. Altlandeshauptmann Luis Durnwalder brachte es vor einigen Jahren auf den Punkt, er sagte: „Südtirol ist ein Weinland. Die Weinkultur hat eine sehr lange Tradition in unserem Land und sie hat unseren Alltag seit 3.000 Jahren geprägt und Eingang gefunden in die Kunst, in die Malerei, in die Bildhauerei, zumal auch in die sakrale Kunst. Der Wein ist Symbol für Lebenskraft und Leidenschaft. Beides ist miteinander beinahe unzertrennbar verwoben“.

Literatur:

  1. Siegfried de Rachewiltz in: „Die blauen Trauben hängen gar zierlich“. Südtiroler Weinkultur in Reiseberichten vor 1850, S. 23 – 32. Aus Weinkunst. Weinland Südtirol in der Kunst.
  2.  Lanserhaus Eppan, 2013
    Jakob von Falke, Schriftsteller und Kustos am k & k Museum in Wien, 1866, S. 296
  3. Adolph Schaubach: Die deutschen Alpen. Handbuch für Reisende durch Tyrol. Das Gebiet der Etsch. Vierter Theil, Jena 1846.
  4. Luis Durnwalder in: Weinland Südtirol in der Kunst. Lanserhaus Eppan. Vorwort, 2013.

Fotos: Albin Thöni